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Die wärmende Frühlingssonne blitzte hell und warm hinter der soeben verzogenen Wolke hervor und kitzelte mich auf der Nasenspitze. Ich öffnete meine Augen und sah zwischen den Ästen meines lieben Bospobaumes einen kleinen Pippel sitzen. Mein Pippel, der mich immer besuchen kam, wenn ich so wie heute unter meinem Lieblingsbaum in der Hängematte lag und mich ausruhte. Mein Pippel war ein kleiner, niedlicher Kerl, etwa so gross wie meine Hand. Man musste schon ganz genau hinsehen, wenn man ihn finden wollte, oben auf den Ästen, zwischen den hellgrünen saftigen Blättern. Er sass am liebesten auf dem Ast ganz oben links, welcher diesen Frühling ganz besonders reich mit den wunderschönen, zartduftenden, hellvioletten Blüten geschmückt war. Es war ein Genuss diesen lieblich süssen Duft wahr zu nehmen. Nirgends duftete es sonst noch so herrlich wie unter meinem Bospobaum.                                                                                                                                        
Pippel sprach immer dann mit mir, wenn er fühlte, dass ich traurig war. Pippels sind gerne da, um den Menschen liebe Dinge ins Ohr zu flüstern, sie aufzumuntern oder einen klugen Rat zu geben, denn sie sind ganz feinfühlige Geschöpfe und wissen immer, wie es ganz tief innen im Herzen der Menschen aussieht.                                          
Heute war wieder so ein ganz besonderer Tag, an dem mein lieber lustiger Pippel mit mir flüstern wollte. Wir flüsterten immer miteinander, denn wir wollten die Elfen und Baumfeen nicht erschrecken, die sehr zarte Ohren haben und ebenfalls gerne in meinem Bospobaum spielten. Es musste wohl der sanfte Blütenduft sein, der sie dazu verführte, ihre Freizeit da zu verbringen.                                         
"Hallo liebe Bambabelle" hörte ich sein leises Stimmchen flüstern. " Bist du wach?" "Ich habe nicht geschlafen, mein liebster Pippel, ich habe dich schon beobachtet!" Während dem ich antwortete huschte er geschickt drei Äste tiefer, damit er etwas näher bei mir sein konnte. Sein grünes Pelzchen glitzerte und funkelte im Sonnenlicht. Wie weich und zart musste er sich anfühlen? Anfassen konnte ich meinen kleinen Freund nicht, sein niedlicher Körper wäre sonst unsichtbar für mich geworden.                              
" Was fühlt mein kleines Herz, Bambabelle? Du bist traurig? Magst du mir erzählen was dich bedrückt?" "Ach mein liebster Freund, ich glaube dieses Mal kannst auch du mir nicht helfen!" Ich wurde dabei ganz traurig und eine kleine Träne trübte meine Augen. "Sei nicht traurig meine Liebe, ich will dir zuhören und dann werden wir sehen, was ich dir raten kann" So begann ich zu erzählen:                                                                        
"Es geschah im letzten Jahr, an einem kühlen Sommertag! Es tröpfelten noch ein paar Regentropfen nieder, die Sonne hatte sich hinter einer dunklen Wolke versteckt, der Wind rauschte in den Blättern und schüttelte die Äste. Ich wollte den Duft der Erde nach einem prasselnden Sommerregen riechen. Darum machte ich mich auf den Weg durch meinen Garten, hinaus über Felder und Wiesen. Wie ich so vor mich hin sann und die frische der Natur genoss, fühlte ich die Nähe eines Wesens. War ich nicht alleine hier? Ich drehte mich um und blickte in zwei bezaubernde leuchtende Augen. Ich fürchtete mich nicht, denn das freundliche Lächeln meines Gegenübers schenkte mir Vertrauen, liess alles um mich herum vergessen. Mein Herz begann ganz fest zu schlagen, wer war dieser Mann, der schon eine Weile den selben Weg gegangen sein musste wie ich?
Wir schauten uns in die Augen und nach einer ganzen Weile, ich hatte das Zeitgefühl verloren, nahm er mich bei der Hand und wir gingen gemeinsam den Weg durch den Wald. Wir redeten und erzählten von unserem Leben, von unseren Wünschen, über dies und das. Behope, so war sein Name, legte seinen Arm um meine Schultern, um mich vor dem kühlen Wind zu schützen. Wie ich seine Nähe fühlte, wusste ich sogleich, dass dieser wunderbare Mensch der Mann meiner Träume sein musste. Seine Art, sein ganzes Wesen verzauberte mich, liess mich Kummer und Sorgen vergessen. Wir hatten uns von ganzem Herzen lieb!                                                    
Als wir aber davon sprachen für immer zusammen zu bleiben, wurde Behope ganz nachdenklich. Seine so glücklich strahlenden Augen glänzten nicht mehr, die kleinen Grübchen, die so niedlich seinen lächelnden Mund zierten, waren verschwunden. Was bedrückte meinen Liebsten?

Seit beinahe zwei Jahren lag ein Fluch über Behope, erzählte er mir und hielt mich dabei fest umschlungen. Ich spürte, wie es ihm schwer fiel, mir von seinen Sorgen zu erzählen. Dieser Fluch lies es nicht zu, sein Haus für länger als eine Stunde zu verlassen. Wenn er sich aber verlieben würde, hätte er jeden Tag, an dem er mit seiner Liebsten verbrachte eine Minute weniger Zeit, aus dem Haus zu gehen. Wenn er nicht rechtzeitig zurück kommen würde, müsste er sein Leben verlieren.

Wir trafen uns nur selten, waren aber in der kurzen Zeit die wir miteinander verbringen durften sehr glücklich. Nun war es aber so weit, dass Behope nur noch wenige MInuten blieben, in denen er nach Draussen konnte und diese musste er nutzen um Essen zu besorgen. Wir durften uns also nicht mehr sehen!"
Während ich meinem Pippel meine traurige Geschichte erzählte war er bis auf den untersten Ast gehüpft. Er hatte sich hingesetzt, die Beine angezogen, lehnte mit dem Rücken an einem Zweig und blickte mich unentwegt an. Dabei machte er ein Nachdenkliches Gesichtchen und sagte schliesslich zu mir: " Liebe Bambabelle, sei nicht so traurig, wir werden eine Lösung finden, um diesen bösen Zauber von deinem Behope zu nehmen. Ich konnte bisher noch immer helfen, hab Geduld mein liebes! Damit du aber nicht ganz auf deinen Behope verzichten musst, werde ich jetzt drei mal schlucken, zweimal blinzeln und mich dreizehn mal nach links drehen..." Während er dies tat murmelte er etwas, musste wohl auf pimpisch gewesen sein, ich konnte es nicht verstehen. "So," sagte er nun wieder in unserer Sprache, "ihr werdet euch von nun an in euren Träumen begegnen. So werdt ihr wenigstens nicht so grosse Sehnsucht haben. Wenn ich eine Lösung gefunden habe, treffe ich dich wieder hier. Hab Geduld meine Bambabelle!"                                                                                                
Bevor ich mich bei meinem Pippel bedanken durfte war er schon verschwunden, ganz oben auf dem Wipfel des Baumes und husch- weg war er!                               
So freute ich mich also jede Nacht aufs Schlafengehen! Ich traf meinen so sehr geliebten Behope jede Nacht in unseren Träumen. Wir waren glücklich, überglücklich und geduldig. Was wollten wir mehr? Jeden Tag ging ich zum Bospobaum und hielt Ausschau nach meinem lieben Pippel. Es vergingen Tage, Wochen, sogar Monate und der kleine Pippel war nicht zu sehen, ich konnte noch so genau schauen. Auch mein leises Rufen liess ihn nicht erscheinen. Das musste eine sehr schwere Aufgabe sein, die mein kleiner Freund da zu lösen hatte.                                                       
Mit jedem Tag der verging wurde ich immer trauriger. Ich wünschte mir so sehr für meinen Geliebten da zu sein. Ich versuchte glücklich zu sein, auch ohne in Wirklichkeit bei ihm zu sein. Auch Behope wurde in unseren nächtlichen Begegnungen immer stiller, auch er sehnte sich so sehr danach für immer mit mir zusammen sein zu dürfen. Wir waren beide traurig und glücklich zugleich.                              
Der Sommer ging zu Ende, die hellgrünen Blätter meines Liebligsbaumes wechselten zu einem wunderschönen Dunkelrot. Da, endlich sah ich ihn, meinen Pippel! Zwischen den dunklen Blättern leuchtete sein saftiges grün. Er kam zu mir runter auf den untersten Ast. "Hallo Bambabelle", flüssterte er heute etwas lauter als sonst, er musste wohl aufgeregt sein! Freudig stellte ich mich auf die Zehenspitzen, um noch etwas näher bei Pippel sein zu können, damit ich auch wirklich alles hören konnte, was er mir erzählen wollte. Nach meiner lieben Begrüssung begann der kleine Kerl zu sprechen:                                                        
     " Schon heute wird dein Behope wieder frei sein. Frei für immer, frei für dich! Ich musste lange suchen und fand nach vielen Wochen endlich die Zauberin, die den bösen Fluch über ihn verhängt hatte. Sie war nicht leicht aufzufinden. Aber ich habe nicht aufgegeben und sie gefunden. Eigentlich war sie ja gar nie so böse, sondern endtäuscht. Weißt du, sie hatte sich sehr in Behope verliebt gehabt und war nun traurig, dass er ihr Liebe nicht erwiderte. Ihr Stolz war verletzt ! So verzauberte sie deinen Liebsten und sperrte ihn in seinem Haus ein. Ich versuchte sie zu bekehren, redete immer und immer wieder auf sie ein und brachte sie endlich dazu, den Schwur zu vermindern. Sie würde ihn frei geben, wenn er es schaffen würde, eine Frau zu finden, die auf ihn warten würde. Eine Frau, die ihn liebte, auch ohne bei ihm zu sein, eine die Geduld zeigte und nicht nur an sich dachte." " Aber...das tue ich doch schon lange," rief ich und zupfte nervös am Ästchen, auf welchem mein Pippel sass. "Ja liebe Bibabelle, das tust du. Das hast du jetzt bewiesen. Du hast so lange geduldig auf ihn gewartet und deine Liebe bewiesen. Das soll nun auch belohnt werden!"                                                                                                                                                                                         
                                                                                      
Ich drehte mich um weil ich fühlte, dass jemand hinter mir stehen musste. Behope! Mein gelibeter Behope stand da und streckte seine Arme nach mir aus. Er umarmte mich, drückte mich ganz fest, als wollte er mich nie mehr los lassen.     

Wenn wir heute unter unserem Bospobaum liegen, Behope und ich, schaue ich immer hinauf zwischen die Blätter. Ich suche meinen kleinen Freund, meinen Pippel!

Seit jenem Tag, als ich meine grosse Liebe zurückbekommen habe, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Er ist ja immer bei den Menschen, die ganz tief innen im Herzen traurig sind. So suchte sich mein Pippel ein neues Menschenherz, welches er glücklich machen konnte. Aber manchmal, wenn es ganz still ist, glaube ich ihn zu hören.

                                        
                        

Wo mag er wohl sein...Schau doch einmal ganz genau in deinem Lieblingsbaum, sitzt dort nicht mein Pippel und wartet darauf mit dir zu flüstern?

                           

 
   
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